Schriftzug: "To the Waverider! Eine Liebeserklärung an Legends of Tomorrow (als Titel-Logo der Serie geschrieben)", vor einem Bücherregal

Wer mich persönlich kennt, hat mich wahrscheinlich schon mehr als einmal von Legends of Tomorrow schwärmen hören. Egal, ob ihr auch Serien schaut, auch Superheld*innen-Serien schaut oder mich vielleicht nur als lose Bekannte (oder völlig Unbekannte auf einer Party) nach einer Empfehlung fragt: Sit tight, ich werde vermutlich anfangen, eine halbe Stunde monologisierend zu schwärmen.

Ja, es ist eine Serie von DC – und Nein, jetzt bitte nicht aufhören zu lesen. DC, Serien, ich weiß, ich weiß (und leide mit euch). Aber Legends of Tomorrow macht wirklich alles richtig, was die anderen Serien und auch viele der Filme falsch machen. Teilweise sogar literally, denn die Figuren sind Nebenfiguren in den „großen“ DC-Serien Arrow, The Flash und Supergirl. Sie finden sich als Team zusammen, funktionieren so natürlich anfangs noch nicht perfekt, aber wachsen wunderbar zusammen – und werfen dabei nicht nur ihr Dasein als ewige Nebenfiguren über den Haufen, sondern auch gleich ein paar der Klischees und Fehler, die ihren Figuren noch in den anderen Serien anhafteten.

Das Setting und die Figuren

Eine gute Serie wäre keine gute Serie, gäbe es keine gute Story. Und Legends of Tomorrow hat alles, was eine gute Story braucht: Einen coolen Villain, der nur noch durch bessere ersetzt wird, eine Hero-Figur von außen (Fans von Doctor Who werden sofort Rory erkennen und Awww, er macht das so gut!), Verbindungen aller Figuren zum Arc Plot, unerwartete Plot Twists, die besten Figuren ever – und Zeitreisen! Zeitreisen sind ja ohnehin das beste Plot Device aller Zeiten (Pun intended, eine Rezension über diese Serie kann ich einfach nicht ausschließlich in einem ernsthaften Stil schreiben). Sie bieten die Möglichkeit für Zeitlöcher und sich immer wiederholende kleine Zeitrahmen zum einzelnen Kennenlernen einer bestehenden Gruppe durch neue Figuren, mehrfache fiese persönliche Dramen (wenn jede einzelne Figur feststellt, dass sie diese tote Person aus ihrer eigenen Vergangenheit nicht retten kann, ohne das Konstrukt zu zerstören), zwischenzeitliche Weltbeherrschungs-Gefühle bei den Held*innen und -anwandlungen bei den Antagonist*innen… und so viel mehr, was ich ohne Spoiler leider nicht aufzählen kann.

Und God, diese awesomen Figuren. Wir haben es einmal nicht mit einer random 08/15-Crew aus zwei bis vier jungen, weißen, hetero und cis Typen und einer (1) noch etwas jüngeren Frau zu tun, sondern mit einer tollen Ansammlung aus bereits in den ursprünglichen Serien angedachten und jetzt noch einmal dreidimensionaler und imperfekter auftretenden Figuren. Da ist Sara Lance AKA White Canary, tödlich, fancy, schlagfertig und neben Marvels Peggy Carter meine offizielle Bi Queen of everything (aber: Saras Queerness ist Canon und bekommt Repräsentation, yes, really!), und quasi nebenbei auch noch sehr gut darin, eine krasse Entwicklung hin zu viel Macht und Verantwortung hinzulegen. Da sind Professor Martin Stein und Jefferson Jackson, die nicht nur gemeinsam der (1) Superheld Firestorm sind, sondern auch als ungleiches Paar verbundener Figuren auftreten und so viel mehr Spaß machen als eingespielte Teams von sehr ähnlichen Figuren. Kendra Saunders und Carter Hall, Hawkgirl und Hawkman, die definitiv etwas anderes sind als der Rest der Figuren, und neben dem Retten der Welt auch mal eben die Pflicht zum Erfüllen von Seelenverwandtschaften infrage stellen. Mick Rory, Leonard Snart und Ray Palmer sind da beinahe langweilig, aber fügen sich wunderbar in den Cast und die Figurenreihe ein. Und mit neuen Figuren wird der Cast nur noch toller!

Das Feeling: Was ich an dieser Serie liebe

Das Besondere an Legends of Tomorrow ist, dass sich diese gesamte Serie etwa so wenig ernst nimmt wie Supernatural ab Staffel 11. Wahrscheinlich noch weniger. Es ist super: die Legends (die Protagonist*innen – die sich auch nach Staffeln noch so nennen, auch wenn sie alle anderen Gruppen wichtiger Figuren dafür mehrfach auslachen) kommentieren gegenseitig das Geschehen so trocken und unperfekt, dass sie aus einem wichtigen Thema (Jap, Weltrettung und so) einen Spaß machen, bei dem ich mehrfach Tränen gelacht habe. Gern auch mal in Bezug auf Zeitreise-Klischees, was es gerade für erfahrene Serien-Nerds noch besser macht. Und dann wird es zwischendurch doch mal etwas sehr ernst – und meistens ist genau das der Punkt, an dem eine Figur noch irgendeinen Wortwitz machen muss. Schon der Plot ist sichtlich nicht völlig ernsthaft angelegt – dafür passieren zu viele komische Momente, seltsame Zufälle und Absurditäten. Und die Figuren übernehmen dazu dann den teilweise wirklich flachen, teilweise auf literarischem Hochniveau mit Wortspielen werfenden Humor, den ich sonst nur zwischen mir und Menschen kenne, die mit mir zusammen Serien schauen. Die Serie wirft Zuschauende damit zwischen Tränen des Lachens und des Weinens, frustriertem Schlagen gegen die nächste Wand und plötzlichen Ausrufen vor Überraschung hin und her. Es ist wundervoll!

Einpassung ins DC-Serienuniversum

Wer viel Zeit und Interesse hat, sollte sich für mehr Spaß und die tollen „Whoa, that person!“-Momente vor der Serie anschauen, wie sie ins DC Universe passt. Ich empfehle dazu aber Listen, die euch die richtige Reihenfolge der vorhergehenden Staffeln von Arrow, The Flash und Supergirl geben – die Serien spielen alle in die Kick-Off-Handlung von Legends of Tomorrow hinein, und für mich haben sich die entscheidenden Folgen der anderen Serien sehr gelohnt, aber der restliche Teil von den Serien, die ich im größeren Umfang angesehen habe, sehr viel weniger.

Damit hoffe ich, dass ich ein paar von euch vielleicht anstecken konnte und der Rest zumindest etwas mehr über diese völlig zu Unrecht doch etwas unbekanntere Serie weiß. Happy (time-) wave riding!