Ein Throwback zu meinem alten Blog, dort veröffentlicht Anfang Januar 2018, und immer noch irgendwie relevant.

Ich schreibe es jetzt einfach: Ich habe über das letzte Jahr zehn Bücher gelesen. Zehn Bücher in ganz 2017. Davon sogar einige fürs Studium, denn bis zum Ende des Sommersemesters im September war ich noch immatrikuliert – erst danach habe ich von dem Verwaltungsfehler erfahren und davon, dass ich erst im Oktober 2018 mein neues Nebenfach anfangen darf.

Zehn Bücher. Ich wusste über das Jahr eigentlich sehr gut, dass doch alles sehr chaotisch war, wieder einmal mit mehreren Umzügen und dann mit drei Monaten auf einem Sofa, weil ich einfach keine neue Wohnung gefunden habe (Berlin ist da ein echter Albtraum). Trotzdem habe ich mich immer so sehr über Bücher definiert, dass ich mir eine so niedrige „Ausbeute“ nicht vorstellen konnte, bis ich mich Ende des Jahres hingesetzt und eine Liste gemacht habe.

Dabei habe ich doch dauernd an Bücher gedacht! 2017 war das Jahr, in dem ich angefangen habe, die Bloggercommunity kennenzulernen, Menschen auf Twitter zu finden und mit der Schreibnacht-Community wundervolle schreibende Leute zu finden, die sich auch über Bücher austauschen (ich bin da sogar dabei, aber habe praktisch jeden Monat nur über geplante Bücher geschrieben, die ich dann größtenteils doch nicht gelesen habe). Ich habe Blogs gelesen, auf Twitter von Büchern gehört, Leuten Empfehlungen geschickt – und bei meinen Umzügen immer viel zu viele Bücher mitgenommen, weil ich dachte, die Lesebegeisterung würde schon einfach wieder auftauchen.

Ich studiere Deutsche Literatur. Ja, das führte dazu, dass ich ab dem zweiten Semester eine unglaubliche Schwierigkeit hatte, zum Vergnügen zu lesen. Es soll zum Theologiestudium ja eine Glaubenskrise dazugehören, und ich glaube, alle Germanist*innen und Literaturwissenschaftler*innen haben eine Bücherkrise. Mein Problem war, dass sie praktisch nie vorbeiging. Als ich anfing, mal ab und zu wieder zu lesen, hatte ich auf einmal ein Netflix-Abo und eine viel mehr auf Serien und Filme bezogene Identität als Fan.

Wir neigen dazu, verschiedene Hobbies in der Freizeit als unterschiedlich „wertvoll“ einzustufen. Als ich bei der Wiederaufnahme des Lesens auf einmal vor der Frage stand, ob ich den Abend jetzt dem neuen Buch oder doch der neuen Folge „Orange is the new Black“ widmen sollte, rutschte ich ganz einfach in ein bewertendes Denken. Lesen ist gebildeter, Du kannst darüber einen Blogeintrag schreiben oder eine Rezension (was dann doch nie passiert ist), Denk an die tollen Blogeinträge der anderen, Es kommt besser an, Es ist doch dein Studium.
Damit wurde es zur Arbeit. Und damit fiel die Entscheidung immer in Richtung Netflix. Was bei einer Serie, die mich wirklich interessiert, kein Problem ist. Aber tut es mir weh, für die wenigen guten Serien, die mich gerade beschäftigen, etwas mehr Zeit zu brauchen? Bei einer Folge pro Abend bleibt es dann ja doch nicht, wach bin ich sowieso – wieso also nicht nach dem Lesen bei einsetzender leichter Müdigkeit noch einmal Netflix für eine Folge einschalten? Oder einen Abend so und den anderen Abend so verbringen? Es wäre so einfach, wäre da nicht dieser Gedanke davon, die Zeit immer irgendwie gewinnbringender nutzen zu können. Ich hoffe, ich kann dieses Denken 2018 einfach langsam überwinden. Bisher hat es mich aber noch ganz gut im Griff…

Ich habe inzwischen Buchgutscheine in doch etwas höherem Wert angesammelt. Und ich hätte total Lust darauf, sie einzulösen! Es gibt so viele Bücher, die mich ansprechen… Aber gerade würde es sich so anfühlen, als würde ich zu meinem Stapel Aufgaben noch mehr hinzufügen. Auch wenn sich diese Aufgaben nach den ersten paar Seiten in Freude verwandeln (das muss mein Kopf vielleicht einfach erst wieder lernen).

Übrigens: Auf meiner Liste der zehn Bücher sind zwei dabei, die ich noch nicht zu Ende gelesen habe. Es war für die Zeit zwischen den Jahren geplant, aber da hat mein Leben leider andere Pläne gehabt. Zuerst hat es sich schrecklich angefühlt, selbst mein Minimalziel nicht zu erreichen und zumindest keine angefangenen Bücher mit ins neue Jahr zu nehmen. Aber dann hatte ich all diese Gedanken über das Bedürfnis nach Produktivität. Und nach ein paar Tagen habe ich beschlossen: Der Output von 2017 ist okay. Ich habe mich persönlich in diesem Jahr unglaublich weiterentwickelt – und endlich meinen Roman beendet. Es war eben kein Bücherjahr. Besonders, weil ich mir mit meinem Bedürfnis nach „Produktivität“ eben auch sehr im Weg stand.
Damit will ich 2018 aufhören. Es gab 2017 Momente, wo ich einfach dasitzen und lesen konnte und mich habe begeistern lassen. Diese Momente sollen wieder öfter passieren. Deshalb werde ich meinen SuB einmal genau durchgehen und ein paar Bücher entfernen, die sich zu sehr nach Arbeit anfühlen. Deshalb werde ich mir erlauben, Bücher abzubrechen und vielleicht trotzdem auf diesem Blog darüber schreiben.

Und irgendwann werde ich losgehen und diese verdammten Buchgutscheine einlösen, und es wird sich nach geschenkter Zeit anfühlen und nicht nach gestohlener.